27. März 2010

Like a Virgin...

Tja, da hat sich Virgin ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert: der Tank zu klein und seit dem ersten Test im Februar kann man, wenigstens von außen, keine großen Fortschritte hinsichtlich der Verbesserung der Zuverlässigkeit erkennen.

Die Tankgeschichte versucht man nun damit zu erklären, daß die Tankgröße schon früh letztes Jahr festgelegt wurde und sich seitdem diverse Parameter verändert hätten. Meiner Meinung nach ist das ein absolut dummer Anfängerfehler der einfach nicht passieren darf. Wenn ich mir nicht sicher bin, dann mache ich den Tank lieber etwas größer um auf der sicheren Seite zu sein. Gerade als neues Team, dem die Erfahrung fehlt, kann man nicht in allen Bereichen sofort an das Limit gehen, sondern muß sich mit der Zeit und der gewonnenen Erfahrung kontinuierlich weiter ans Limit herantasten.

Ich weiß nicht um wieviel der Tank zu klein ist, aber wenn man die FIA um eine, eigentlich per Reglement nicht erlaubte, Änderung bittet, muß das Defizit schon ziemlich groß sein. Die benötigte Benzinmenge variiert von Rennstrecke zu Rennstrecke, und zwei der Strecken mit dem höchsten Benzinverbrauch sind die ersten beiden Saisonrennen Melbourne und Bahrain. Wenn man sich den Speed der Virgin ansieht, kann man von rund zwei Überrundungen pro Rennen ausgehen, außerdem kann man bei den wirklich vebrauchskritischen Rennen das Gemisch für eine längere Zeit abmagern. Bei cleverer Motoren-Allokierung über die Saison sollte das auch keine Laufleistungsverkürzungen beim Motor hervorheben.

Möglicherweise ist das Tankproblem nur ein Vorwand ist um andere Änderungen am Chassis vorzunehmen, wenn nicht ist das ein Armutszeugnis für die Truppe um Nick Wirth. Richard Branson ist nicht dumm, er wird sich sicherlich nicht dauerhaft mit dubiosen Erklärungen und Entschuldigungen abspeisen lassen. Außerdem zeigt Timo Glock jetzt schon in den Medien offen seine Unzufriedenheit über den Zustand bei Virgin. Wer den "Kampfdackel" kennt weiß, daß nicht unbedingt gut mit ihm Kirschen essen ist, wenn die Dinge nicht wie gewünscht laufen. Ich persönlich würde micht daher nicht wundern wenn es in, sagen wir, zwei Monaten zur großen Umstrukturierung bei Virgin kommen wird und einige Köpfe rollen werden.

21. Januar 2009

Der nächste Bitte! Toyota?

Berichte und Interviews in der letzten Woche scheinen darauf hinzudeuten, daß Toyota ernsthaft darüber nachdenkt, sich am Saisonende aus der Formel 1 zu verabschieden.
In den letzten Jahren stand ein Rückzug aus der Formel 1 nicht zur Debatte. Hätte man sich ohne nennenswerten Erfolge verabschiedet, wäre das in japanischer Sichtweise einem Versagen gleichgekommen. Allein schon deshalb hatte Toyota bisher überhaupt keine Wahl gehabt aufzuhören.

Mittlerweile haben sich die Zeiten aber geändert. Honda ist ausgestiegen und hat damit die Hemmschwelle für Toyota, über einen Ausstieg nachzudenken, erheblich reduziert. Außerdem hat Toyota im Zuge der Weltwirtschaftskrise den ersten Jahresverlust der Firmengeschichte eingefahren. Sollte sich Toyota am Ende des Jahres zurückziehen, könnte man die Entscheidung mit der aktuellen Wirtschaftlage begründen und somit das Gesicht wahren.

Nachdem Jarno Trulli in einem Interview in Italien angedeutet hat, man müsse in den ersten sechs Rennen einen Sieg einfahren, ist das erste Saisondrittel für die Kölner möglicherweise die letzte Chance die Zukunft in der Formel 1 zu retten. Das sechste Saisonrennen ist Ende Mai in Monaco. Möglicherweise wird der Vorstand in Japan im Laufe des Junis dann eine Entscheidung treffen. Sollte die Entscheidung negativ ausfallen, hätte Toyota noch mehrere Monate Zeit einen Käufer zu finden, der das Formel 1 Projekt weiter betreibt. Somit stünden die Chancen das Team zu erhalten, wenn auch nicht mehr in der jetzigen Größe, deutlich besser als im Moment bei Honda. Die Toyota Motorsport GmbH in Köln wird vielleicht auch in kleinerem Rahmen weiterbestehen und sich um andere Motorsportprojekte des Konzerns kümmern (z.B. Rückkehr nach Le Mans oder auch einen DTM-Einstieg von Lexus).

29. Dezember 2008

Williams

Nachdem Honda sich verabschiedet hat, ist Williams ein weiteres Team das potentiell „auf der Kippe steht“. Natürlich sollte man nichts verschreien und ich bin der letzte der Williams zusperren sehen will. Auf der anderen Seite kann man die Fakten auch nicht außer acht lassen. Über die Jahre haben sich Schulden angesammelt; auch wenn das Schuldenniveau alleine noch nicht kritisch ist, könnte ein Einbrechen der Einnahmen schnell das Ende des Traditionsrennstalls bedeuten.

Einer der großen Sponsoren ist die isländische Baugur Gruppe, die größtenteils in britischen Einzelhandelsketten investiert ist und diese auch teilweise auf dem Williams bewirbt. Nach dem Bankrott der drei größten isländischen Banken ist der Isländische Staat der größte Gläubiger bei Baugur. Wenn man berücksichtigt daß die Isländer für einen Betrag geradestehen müssen, der das isländische Bruttoinlandsprodukt um ein Vielfaches übersteigt, muß man kein Finanzspezialist sein um sich auszurechnen, daß man versuchen wird so viele Risiken wie möglich so schnell wie möglich loszuwerden. Nur kann man im Moment das Investoreninteresse an britische Einzelhandelsketten nicht einmal mehr bescheiden nennen, es gibt keines. Der Einzelhandel in Großbritannien liegt am Boden. Auch wenn die britische Regierung im Dezember die Mehrwertssteuer um 2.5 Prozentpunkte gesenkt hat, mußten viele Retailer schon im Weihnachtsgeschäft ihre Preise drastisch senken um überhaupt etwas zu verkaufen. Fachleute rechnen damit, daß rund ein Viertel des britischen Einzelhandel das Jahr 2009 nicht überleben wird.

Kommen wir zurück zu Williams. Sollte es bei einem der Baugur Retailinvestments große Probleme geben, könnte das zu einem Dominoeffekt führen und würde noch andere Unternehmenstöchter mitreißen; neue Kreditlinien wird es in der jetzigen Zeit bei Baugur keine geben. Wenn daher ein Teil des Sponsoreneinkommens bei Williams plötzlich wegbrechen sollte, wird es wegen der dünnen Finanzdecke bei Williams kritisch. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, daß Baugur „nicht an die Wand fährt“ und die Beschlüsse von FIA und FOTA Anfang Dezember in Monaco die Kosten wirklich erheblich senken können. Alles in allem, die Formel 1 bewegt sich im Moment auf extrem dünnen Eis und bis Melbourne kann noch viel passieren.

10. Dezember 2008

Bernies Schuld?

Interessanter Leserbrief heute in der Financial Times: Ian Ross, der ehemalige Geschäftsführer von British American Racing schreibt, er glaube der Grund für Hondas Ausstieg und den Finanzproblemen von anderen Teams liege im Concorde-Abkommen aus dem Jahr 1998. Seiner Meinung nach ist die Finanzkrise daher nur der Auslöser für Hondas Rückzug, der Grund liege vielmehr in den Zugeständnissen die Bernie Ecclestone den Teams damals abgerungen hat. Laut Ian Ross erhält Formula One Management 70% der Brutto-Erlöse die im Rahmen der Formel 1 erwirtschaftet werden. Bei diesem Ungleichgewicht sei es laut Ross für Formel 1 Teams kaum möglich ein langfristig finanziell solides Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen.

Nach dem FOTA Meeting letzte Woche wurde bekannt, daß die Teams versuchen möchten dem Formula One Management (heutiger Mehrheitseigentümer ist CVC Capital Partners) finanzielle Zugeständnisse abzuringen. Alle vorangegangenen Versuche sind gescheitert, da sich die Teams nie auf einen gemeinsamen Nenner einigen konnten und weil in Zeiten in denen die Wirtschaft einigermaßen lief, Teams sich auch so einigermaßen über Wasser halten konnten. Daher kann ich Ian Ross nur zustimmen; die Formel 1 Teams hätten schon viel früher an einem Strang ziehen müssen um einen größeren Anteil an den Einnahmen aus der Vermarktung zu erhalten. Im Moment sieht es nämlich nicht gut aus, da die Formel 1 Holdinggesellschaft durch den Buy Out durch CVC Capital Partners vor ein paar Jahren stark verschuldet ist. Daher werden die Einnahmen zu einem großen Teil zur Schuldentilgung benötigt. Außerdem ist bei CVC Capital Partners zur Zeit wohl auch nicht so viel zu holen, da durch restriktive Kreditvergabe der Banken und Mittelabflüße von Investoren die Private Equity Industrie stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Norbert Haug stellt KERS in Frage

Am Dienstag in der msa: Norbert Haug schlägt vor KERS zu stoppen um die Kosten zu senken. Klar, KERS ist sicherlich im Moment ein großer Kostentreiber, aber mittlerweile haben die meisten Formel 1 Teams schon Unsummen in die Entwicklung von KERS gesteckt. Deshalb frage ich mich ob es zum jetzigen Zeitpunkt wirklich noch Sinn macht, KERS zu stoppen? Ok, die meisten Teams werden noch einiges an Geld investieren müssen um das System rennfertig zu kriegen, aber alles stoppen und Millionen abschreiben kann auch nicht wirklich der Sinn sein. Zumal speziell von der FIA das KERS über lange Zeit als das Allheilmittel gepusht wurde, um der Formel 1 wieder eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung neuer Technologien zukommen zu lassen (oder es wenigstens so aussehen zu lassen, die Formel 1 sei relevant für die Serienentwicklung).

Letztendlich sehe ich im Moment keinen Grund, KERS zu stoppen. 2009 ist es den Teams ohnehin freigestellt ob sie es einsetzen wollen oder nicht und für 2010 könnte man im Rahmen des Cosworth Motors und des Einheitsgetriebes von Xtrac und Ricardo den Teams auch ein „Einheits“KERS anbieten, sollte diese kein eigenes einsetzen wollen.