29. Dezember 2008

Williams

Nachdem Honda sich verabschiedet hat, ist Williams ein weiteres Team das potentiell „auf der Kippe steht“. Natürlich sollte man nichts verschreien und ich bin der letzte der Williams zusperren sehen will. Auf der anderen Seite kann man die Fakten auch nicht außer acht lassen. Über die Jahre haben sich Schulden angesammelt; auch wenn das Schuldenniveau alleine noch nicht kritisch ist, könnte ein Einbrechen der Einnahmen schnell das Ende des Traditionsrennstalls bedeuten.

Einer der großen Sponsoren ist die isländische Baugur Gruppe, die größtenteils in britischen Einzelhandelsketten investiert ist und diese auch teilweise auf dem Williams bewirbt. Nach dem Bankrott der drei größten isländischen Banken ist der Isländische Staat der größte Gläubiger bei Baugur. Wenn man berücksichtigt daß die Isländer für einen Betrag geradestehen müssen, der das isländische Bruttoinlandsprodukt um ein Vielfaches übersteigt, muß man kein Finanzspezialist sein um sich auszurechnen, daß man versuchen wird so viele Risiken wie möglich so schnell wie möglich loszuwerden. Nur kann man im Moment das Investoreninteresse an britische Einzelhandelsketten nicht einmal mehr bescheiden nennen, es gibt keines. Der Einzelhandel in Großbritannien liegt am Boden. Auch wenn die britische Regierung im Dezember die Mehrwertssteuer um 2.5 Prozentpunkte gesenkt hat, mußten viele Retailer schon im Weihnachtsgeschäft ihre Preise drastisch senken um überhaupt etwas zu verkaufen. Fachleute rechnen damit, daß rund ein Viertel des britischen Einzelhandel das Jahr 2009 nicht überleben wird.

Kommen wir zurück zu Williams. Sollte es bei einem der Baugur Retailinvestments große Probleme geben, könnte das zu einem Dominoeffekt führen und würde noch andere Unternehmenstöchter mitreißen; neue Kreditlinien wird es in der jetzigen Zeit bei Baugur keine geben. Wenn daher ein Teil des Sponsoreneinkommens bei Williams plötzlich wegbrechen sollte, wird es wegen der dünnen Finanzdecke bei Williams kritisch. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, daß Baugur „nicht an die Wand fährt“ und die Beschlüsse von FIA und FOTA Anfang Dezember in Monaco die Kosten wirklich erheblich senken können. Alles in allem, die Formel 1 bewegt sich im Moment auf extrem dünnen Eis und bis Melbourne kann noch viel passieren.

10. Dezember 2008

Bernies Schuld?

Interessanter Leserbrief heute in der Financial Times: Ian Ross, der ehemalige Geschäftsführer von British American Racing schreibt, er glaube der Grund für Hondas Ausstieg und den Finanzproblemen von anderen Teams liege im Concorde-Abkommen aus dem Jahr 1998. Seiner Meinung nach ist die Finanzkrise daher nur der Auslöser für Hondas Rückzug, der Grund liege vielmehr in den Zugeständnissen die Bernie Ecclestone den Teams damals abgerungen hat. Laut Ian Ross erhält Formula One Management 70% der Brutto-Erlöse die im Rahmen der Formel 1 erwirtschaftet werden. Bei diesem Ungleichgewicht sei es laut Ross für Formel 1 Teams kaum möglich ein langfristig finanziell solides Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen.

Nach dem FOTA Meeting letzte Woche wurde bekannt, daß die Teams versuchen möchten dem Formula One Management (heutiger Mehrheitseigentümer ist CVC Capital Partners) finanzielle Zugeständnisse abzuringen. Alle vorangegangenen Versuche sind gescheitert, da sich die Teams nie auf einen gemeinsamen Nenner einigen konnten und weil in Zeiten in denen die Wirtschaft einigermaßen lief, Teams sich auch so einigermaßen über Wasser halten konnten. Daher kann ich Ian Ross nur zustimmen; die Formel 1 Teams hätten schon viel früher an einem Strang ziehen müssen um einen größeren Anteil an den Einnahmen aus der Vermarktung zu erhalten. Im Moment sieht es nämlich nicht gut aus, da die Formel 1 Holdinggesellschaft durch den Buy Out durch CVC Capital Partners vor ein paar Jahren stark verschuldet ist. Daher werden die Einnahmen zu einem großen Teil zur Schuldentilgung benötigt. Außerdem ist bei CVC Capital Partners zur Zeit wohl auch nicht so viel zu holen, da durch restriktive Kreditvergabe der Banken und Mittelabflüße von Investoren die Private Equity Industrie stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Norbert Haug stellt KERS in Frage

Am Dienstag in der msa: Norbert Haug schlägt vor KERS zu stoppen um die Kosten zu senken. Klar, KERS ist sicherlich im Moment ein großer Kostentreiber, aber mittlerweile haben die meisten Formel 1 Teams schon Unsummen in die Entwicklung von KERS gesteckt. Deshalb frage ich mich ob es zum jetzigen Zeitpunkt wirklich noch Sinn macht, KERS zu stoppen? Ok, die meisten Teams werden noch einiges an Geld investieren müssen um das System rennfertig zu kriegen, aber alles stoppen und Millionen abschreiben kann auch nicht wirklich der Sinn sein. Zumal speziell von der FIA das KERS über lange Zeit als das Allheilmittel gepusht wurde, um der Formel 1 wieder eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung neuer Technologien zukommen zu lassen (oder es wenigstens so aussehen zu lassen, die Formel 1 sei relevant für die Serienentwicklung).

Letztendlich sehe ich im Moment keinen Grund, KERS zu stoppen. 2009 ist es den Teams ohnehin freigestellt ob sie es einsetzen wollen oder nicht und für 2010 könnte man im Rahmen des Cosworth Motors und des Einheitsgetriebes von Xtrac und Ricardo den Teams auch ein „Einheits“KERS anbieten, sollte diese kein eigenes einsetzen wollen.

9. Dezember 2008

Einheitsmotor

Bis Donnerstag haben die Formel 1 Teams noch Zeit sich den Einheitsmotor von Cosworth für die Saison 2010 zu sichern. Ok, Einheitsmotor ist vielleicht der falsche Ausdruck, da andere Motoren auch weiterhin zugelassen sein werden, aber da mir momentan kein besserer Begriff einfällt, bleiben wir in diesem Post mal bei diesem Ausdruck.

Autosport berichtet heute mindestens fünf Teams hätten Interesse. Im einzelnen wären dies Williams, Force India, 2 mal Red Bull und Renault(!). Somit also alle nicht-Hersteller Teams plus Renault. Da Flavio Briatore schon seit längerer Zeit Verfechter des Einheitsmotors ist, kann man wohl davon ausgehen, daß sich Renault still und leise aus der Formel 1 verabschieden wird und Briatore daher momentan versucht das Team in Enstone auch ohne Herstellerunterstützung überlebensfähig zu machen. Sollte das nicht gelingen hätten wir wohl bald das nächste Opfer.

Zurück zum Einheitsmotor: Laut Max Mosley sollte dieser Einheitsmotor die Referenz sein und ein Limit für die Motorleistung darstellen (es wird interessant sein wie dieses Limit letztendlich genau aussehen wird). Da also dieser Motor somit konkurrenzfähig sein sollte und im Moment andere Kundenmotoren erheblich teurer sind (und die Motorenhersteller kein Interesse an Verlustgeschäften haben) ist der Cosworth Motor für alle herstellerungebundenen Teams sicherlich die beste Lösung. Das Risiko scheint alles in allem relativ gering zu sein.

Wenn man sich die Kosten ansieht, die Cosworth berechnen würde, ist anzunehmen daß einfach der alte Motor der 2006 im Williams lief, entstaubt wird. Ok, kleine Änderungen wird es wohl schon geben, hauptsächlich um Kosten zu sparen (z.B. Materialien, Anbauteile, vereinfachte Fertigung).

5. Dezember 2008

Wie geht es jetzt weiter?

Da sich höchstwahrscheinlich noch weitere Teams in kritischem Zustand befinden, wird die FOTA in ihrem Meeting gestern wohl panisch versucht haben, die Kosten schon für die nächste Saison erheblich zu senken. Da alle Teamchefs sich über den Ernst der Lage bewußt sind, gehe ich davon aus, daß man sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen konnte. Falls nicht, wird es nächstes wohl keine Formel 1 mehr geben.

Wie könnten die Einsparmaßnahmen nun aussehen?

Generell sollten die Regeln erlauben, daß auch Teams mit einem erheblich niedrigerem Budget einigermaßen konkurrenzfähig sind. Im folgenden nun ein paar Ideen, die man für die nächste Saison umsetzen könnte:

Testbeschränkung: weitere Reduktion der Testfahrten, möglicherweise sogar gar keine Tests mehr während der Saison und im Gegenzug längere Trainingsessions am Rennfreitag

Weniger Teammitglieder an der Rennstrecke: z.B. Limitierung der Fahrerlagerpässe pro Team, nur noch ein Mechaniker pro Rad beim Reifenwechsel erlaubt. Durch den Wegfall des T-Cars, der Motorenwechsel und den Änderungen der Getriebeübersetzungen in den letzten Jahren ist der Personalbedarf an der Strecke ohnehin schon gesunken und die meisten Leute werden mittlerweile während des Rennens und den Trainingsessions gebraucht.

Einheitsflügel: mit den gleichen Front- und Heckflügel für alle würde ein großer Teil des Optimierungspotentials der Aerodynamik wegfallen. Wer dennoch zwei Windkänale 24 Stunden am Tag betreiben möchte, kann das auch tun, nur wird durch die vielen Einheitsteile der Performancegewinn kleiner ausfallen.

Einheitsbauteile: z.B. gleiche Bremsanlage, Getriebeübersetzungen, Felgen, etc.

Zusätzlich sollten sich die Formel 1 Eigentümer dazu entscheiden einen größeren Teil der Einnahmen an die Teams auszuzahlen. Das ist immer noch besser als das ganze Formel 1 Investment abzuschreiben. Leider sind die Möglichkeiten hier aber beschränkt, denn durch den hohen Fremdfinanzierungsanteil sind die benötigten Mittel zur Schuldentilgung im Moment enorm.

Honda!

Damit hatten wohl die wenigsten gerechnet: sollten die Gerüchte stimmen und daran ist im Moment auch nicht wirklich zu zweifeln, wird Honda die Reißleine ziehen und sich mit sofortiger Wirkung aus der F1 zurückziehen. Damit hätten Finanzkrise und Rezession die Formel 1 schneller als erwartet erreicht.

Es war in den letzten Wochen zwar schon ein offenes Geheimnis, daß manche Teams kurz vor dem Abgrund stünden, aber Honda war nicht wirklich ganz oben auf meiner Liste der gefährdeten Teams.

Gerüchte machen jetzt die Runde, Honda versuche das Team kostenlos abzugeben, falls sich jemand fände, der die laufenden Kosten übernehmen könnte. Meiner Meinung nach ist das aber nicht sehr wahrscheinlich wenn man bedenkt, daß wir uns in einer globalen Rezession befinden, Banken durch die Finanzkrise sehr restriktiv in ihrer Kreditvergabe sind und man die laufenden Kosten eines Formel 1 Teams nicht gerade aus der Portokasse bezahlen kann. Einzige Chance, auch wenn nicht sehr wahrscheinlich, sind erhebliche Kostensenkungen die es erlauben würden ein Formel 1 Team für einen Bruchteil der heutigen Kosten zu betreiben. Selbst dann würde immer noch ein erheblicher Teil der mehr als 400 Mitarbeiter (ohne Motorenentwicklung) in Brackley ihre Jobs verlieren.

Alles in allem, es sieht nicht gut aus in der Branche und die kommenden Wochen werden sich noch einige Überraschungen bereithalten.